Chronik der FFw Niedercrinitz
Der Wunsch und die Forderung auch in Niedercrinitz eine Freiwillige Feuerwehr zu gründen und zu besitzen entstand bereits Ende der 20er bzw. Anfang der 30er Jahre. Zu dieser Zeit bestand eine Pflichtfeuerwehr. Leider blieb es vorerst nur ein Wunsch, weil es an Bürgern fehlte, die die Initiative dazu ergriffen und sich freiwillig bestimmte Pflichten auferlegen wollten oder man kann auch sagen: Die Zeit war noch nicht reif dazu.
Doch Anfang des Jahres 1942 war es dann soweit. Vom Landratsamt Zwickau wurde auch immer mehr die Forderung erhoben eine Freiwillige Feuerwehr zu gründen und von dieser über- geordneten Stelle wurde auch in Aussicht gestellt, eine Motorspritze zu erhalten. Zu diesem Zeitpunkt war nur eine Handdruckspritze vorhanden. Im Mai 1942 fanden sich deshalb folgende Bürger unserer Gemeinde zusammen, die "Freiwillige Feuerwehr Niedercrinitz" zu gründen: Erich Löscher, Kurt Groß, Martin Löscher, Kurt Krauß, Paul Fröhlich, Kurt Keller, Willy Schmelzer, Walter Heinz, Alfred Günther, Willy Bley, Max Hutzschenreuter, Hans Greiner, Albert Gerber, Kurt Leonhardt, Willy Baumann und Albert Häberer.
Der 1. Wehrführer der jungen Freiwilligen Feuerwehr war Karl Eichberger, der Wehrführer der bis dahin bestandenen Pflichtfeuerwehr.
Die Gründung der FFw wurde allgemein von der Bevölkerung begrüßt und war ein großer Fortschritt auf dem Gebiet des tätigen Brandschutzes.
Die Folgen des zu dieser Zeit tobenden 2. Weltkrieges brachten der jungen freiwilligen Feuerwehr natürlich auch Sorgen und Schwierigkeiten. Immer mehr Kameraden wurden zum Kriegsdienst eingezogen und mehrere davon kehrten auch nicht wieder in die Heimat zurück. Unter diesen Umständen drohte diese junge Freiwillige Feuerwehr bald wieder auseinander zu brechen. Damit dies nicht geschah, wurden Bürger, die nicht zum Kriegsdienst eingezogen waren verpflichtet, einen sogenannten Kriegsersatzdienst in der Freiwilligen Feuerwehr zu leisten.
Ein weiterer Fortschritt auf dem Gebiet des tätigen Brandschutzes in dieser schweren Zeit war,
dass die Wehr im Jahre 1943 eine Motorspritze bekam. Zum Kriegsende waren auch die vorhandenen
Ausrüstungsgegenstände in Gefahr, der gesetzlosen Zeit zum Opfer zu fallen.
Einigen Kameraden ist es zu verdanken, dass die vorhandenen Ausrüstungsgegenstände und Uniformen
im wesentlichen erhalten blieben.
Verschiedene Kameraden hatten Angst, dass sie wegen der Zugehörigkeit zur Freiwilligen Feuerwehr nach Kriegsende Unannehmlichkeiten bekommen könnten und wollten deshalb ihre Uniformen vergraben oder gar vernichten.
Im Juni 1945 gingen aktive und erfahrene Kameraden wie z.B. Paul Weiß, der dann auch von dieser Zeit an Wehrführer war, Arno Bauer, Paul Fröhlich, Kurt Krauß und einige andere daran, die Wehr wieder aufzubauen und neu zu formieren. Es wurden wieder regelmäßig Versammlungen und Übungen durchgeführt, es kamen neue Kameraden dazu und auch aus der Gefangenschaft kam nach und nach dieser und jener Kamerad wieder zurück. Ein Aufschwung in der Arbeit des tätigen Brandschutzes in der Wehr war unverkennbar.

Kameraden in den 50iger Jahren
Von August 1948 bis 1951 war die Motorspritze wegen Ersatzteilmangel nich einsatzbereit. Man musste wieder auf die gute alte Handdruckspritze zurückgreifen, um Übungen und Einsätze durchzuführen.
Als die Motorspritze wieder in Ordnung war, wurde die Handdruckspritze demontiert und bei einer Buntmetall-Sammlung abgegeben. Heute kann man nur sagen: "Schade darum!"
In diesen ersten 5-6 Jahren nach dem Kriege hat sich die Wehr weiter entwickelt und zahlenmäßig vergrößert. Im Sommer 1951 musste Wehrleiter Paul Weiß aus gesundheitlichen Gründen diese Funktion niederlegen und am 5. Januar 1952 wurde Kamerad Willy Schmidt zum neuen Wehrleiter gewählt.
Im Mai 1952 wurde das 10-jährige Bestehen der Wehr gefeiert. Der Tag begann früh mit Weckruf, gespielt von der Blaskapelle der FFw Hartmannsdorf und Umzug der gesamten Wehr. Am Vormittag war Schnelligkeitswettbewerb und am Nachmittag eine Schauübung mit mehreren Nachbarwehren.
Der Tag klang aus mit einem Feuerwehrball im Gasthof "Lindengarten".
In den ersten 10 Jahren ihres Bestehens sind die Kameraden der FFw Niedercrinitz zu mehreren Bränden und Hilfeleistungen im Dorf und in Nachbargemeinden ausgerückt, z.B. in den Jahren 1946 und 1947 3 mal zu Waldbränden.
Im November 1955 legte Wehrleiter Willy Schmidt sein Amt nieder, und am 19.02.1956 wurde Kamerad Hans Graupner in diese Funktion gewählt, der dann die Wehr bis zum 12.10.1960 leitete. Bei Schnelligkeitsübungen des Zentralbereiches Wilkau-Haßlau erreichte die Wehr 1957 den 1. Platz und 1958 den 2. Platz.

Kameraden der Wehr - 1957
Ab diesem Zeitpunkt wurde der Kamerad Günter Annuß als Wehrleiter eingesetzt.
Bis 1961 besaß die Wehr kein Zug- und Mannschaftsfahrzeug, der Tragkraftspritzen-Anhänger musste gezogen und geschoben werden. Das war nun endlich zu Ende, als ein gebrauchter Horch V8 gekauft wurde. In vielen freiwilligen Arbeitsstunden wurde das Fahrzeug hergerichtet, sowie um- und aufgebaut, damit es den Anforderungen eines Feuerwehrfahrzeuges gerecht wurde. Durch umfangreiche Umbauarbeiten am alten Gerätehaus bekam das Fahrzeug eine Garage. Als der Besitzer des damaligen Vereinslokales Walter Trommer in seiner ehemaligen Scheune 2 Garagen einbaute, konnte die Wehr eine Garage davon für das Zugfahrzeug und Anhänger als Mieter nutzen. Mehrere Kameraden haben auch hier in freiwilligen Arbeitseinsätzen bei den Bauarbeiten mitgeholfen.
Nachdem für das Zug- und Mannschaftsfahrzeug eine neue Unterbringung vorhanden war, kam das nächste Problem auf die Wehr zu. Der Horch V8 hatte Differenzialschaden und von Experten wurde empfohlen, dass Fahrzeug zu verschrotten, weil kein Ersatz dafür zu beschaffen war. Alle dachten in diesem Moment wieder an die Zeit zurück, als der Tragkraftspritzen- Anhänger gezogen und geschoben werden musste, dies war dann auch eine Zeitlang notwendig.
Anlässlich des Wirkungsbereichstreffen 1966 in unserem Dorf wurde der Wehr ein K30, ein allradangetriebenes Zug- und Mannschaftsfahrzeug übergeben.
Von 1952 bis 1970 ist die Wehr zu einem Scheunenbrand, vier Waldbränden, einem Kellerbrand und mehreren Hilfeleistungen ausgedrückt.
Weiterhin waren die Kameraden im Juli 1954 mehrere Tage und Nächte zur Hochwasserkatastrophe, am 24. Juni 1969 als in Niedercrinitz ein Wolkenbruch niederging, sowie im August 1975 als nach starken Regenfällen der Crinitzbach über die Ufer trat im Einsatz, um Gefahren abzuwenden und entstandene Schäden zu beseitigen. Das 25-jährige Jubiläum beging die Wehr am 09.12.1967 mit einer Festveranstaltung und anschließendem gemütlichen Beisammensein im Gasthof "Lindengarten".
Im Mai 1970 legte der Kamerad Günter Annuß die Funktion des Wehrleiters nieder. Danach waren die Kameraden Horst Jelitzki und Günter Hoppe bis August 1971 kurzzeitige Wehrleiter unserer Wehr. Im September 1971 wurde der Kamerad Horst Tuffner zum Wehrleiter gewählt.
Neben dem tätigen Brandschutz wurde ab 1954/55 dem vorbeugenden Brandschutz eine immer größere Aufmerksamkeit geschenkt. Begonnen wurde mit Brandschutz-Kontrollen in Wohngebäuden, dann in Handwerksbetrieben, Geschäften, landwirtschaftlichen Betrieben, sowie gesellschaftlichen Einrichtungen. Diese Kontrollen wurden in Betrieben im Durchschnitt alle 2 Jahre und in Wohngebäuden alle 3-4 Jahre durchgeführt, sodass sie manchmal über die Hälfte der geleisteten Arbeit der Wehr für das Dorf darstellten. Im Jahr 1960 wurden auch an 2 Sonntagen Ernteeinsätze bei der neu gegründeten LPG geleistet. 1963 stellte die Wehr der LPG 1 Brigade für 1 Woche Heuernte zur Verfügung.
Die Kameraden haben aber auch bei Veränderungen innerhalb des Ortes mitgeholfen. Neben der bereits erwähnten Mitarbeit beim Umbau des Gerätehauses wurde die Mühlgrabenunterführung am ehemaligen Gasthof "Lindengarten" in eigener Regie erneuert. Ebenso am Bau des Kindergartens, der neuen Strassenbeleuchtung und der Verrohrung des Mühlgrabens von der Kleingartenanlage bis zum Trafohaus gegenüber der Gemeindeverwaltung haben die Kameraden der Wehr großen Anteil.
1976 hat sich die Wehr auch in Eigenleistung einen Schlauchtrockenturm geschaffen.
Seit 1968 sind auch Frauen Angehörige unserer Wehr. Ihre Aufgabe besteht darin, im vorbeugendem Brandschutz tätig zu sein. Im Durchschnitt sind seit dem 5-7 Frauen Angehörige unserer Wehr. Die Stärke der Wehr betrug nach der Gründung bis 1948 zwischen 18 und 24 Kameraden, 1952 waren es 30 und zwischen 1955 bis 1988 betrug sie zwischen 35 und 38 Kameraden. In den letzten 10 Jahren waren es zwischen 27 und 32 Kameraden.
Seit 1995 besteht eine Alters- und Ehrenabteilung der zu diesem Zeitpunkt ca. 7 Kameraden angehören.
In der sozialistischen Gesellschaftsordnung der vergangenen 40 Jahre gab es ab 1968 einen verordneten Wettbewerb für die FFw`s der DDR zur Erringung von Leistungsstufen I-III und ab 1978 einen solchen für die Erringung des Titels "Vorbildliche Freiwillige Feuerwehr". An diesen Wettbewerben mussten alle FFw`s teilnehmen und unsere Wehr bekam die Leistungsstufe I 1975 und den Titel 1979 zugesprochen. Auch die Teilnahme am Feuerwehr-Kampfsport war eine solche obligatorische Pflicht. Auch nach der Wende wird der Feuerwehr-Kampfsport, Disziplin Löschangriff, gepflegt. Unsere Wehr nahm seitdem an solchen Wettbewerben bei Feuerwehrfesten in Stangengrün, Hartmannsdorf, Obercrinitz, Wolfersgrün und Reinsdorf teil. Das beste Ergebnis damals wurde 1991 in Stangengrün mit dem 2. Platz erreicht.

Die Wettkampfgruppe, welche 1991 beim Feuerwehrfest in Stangengrün den 2. Platz errang
Im Mai 1982 begingen wir das 40-jährige Bestehen der Wehr. Am 22. Mai führten wir am Nachmittag mit der FFw Cunersdorf eine Alarmübung zum Gehöft von Günter Tröger an der Kirchberger Strasse durch.
Zur Festveranstaltung am Abend im Fröhlich`s Gasthof konnten wir 3 Gründungsmitglieder begrüßen und ehren, sowie die Rückschau halten auf die 40 Jahre erfolgreiche Arbeit auf dem Gebiet des Brandschutzes für unser Dorf.
In den Jahren zwischen 1982 und 1997 wurde die Wehr zu mehreren Einsätzen durch die Sirene gerufen. 5mal brannte es auf der ehemaligen Mülldeponie an der Strasse nach Cunersdorf. 5 mal musste die Wehr zu Unterholz- und Grasbränden im Wald und 2 mal wegen Hochwasser im Crinitzbach ausrücken. Am 2. Mai 1985 war ein Schuppenbrand auf dem Grundstück Talstraße 61 und am 30. April 1990 brannte die alte denkmalgeschützte Brettmühle der oberen Mühle (Leonhardt) nieder.
Kurz nach der Wende 1989 nahmen wir auch Verbindung mit einer Wehr aus den alten Bundesländern auf und zwar mit den Kameraden der FFw Unfriedsdorf in Oberfranken. Neben fachlichem Gedanken- austausch werden besonders die kameradschaftlichen Beziehungen durch gegenseitige Besuche gepflegt.
Seit Anfang der 90er Jahre wird das von den Kameradinnen und Kameraden das traditionelle Walpurgisfeuer am 30.04. mit der gastronomischen Versorgung der Besucher durchgeführt, und für den 2. Advent 1990 organisierten sie eine Weihnachts- und Hobbyausstellung mit Bescherung durch den Weihnachtsmann für Jung und Alt unseres Dorfes und Gästen aus Nachbargemeinden.
1991 musste die Wehr zu einem Pkw-Brand, sowie Bränden auf der Mülldeponie und im Wald an der Wolfersgrüner Strasse ausrücken. Seit Februar 1992 hat die Wehr ein Geländefahrzeug der Marke "Nissan" als Zug- und Mannschaftsfahrzeug. Entsprechend des Sächsischen Brandschutzgesetzes und der Feuerwehrsatzung wurden auf der Jahreshauptversammlung am 29. Februar 1992 die Kameraden Frank Gröger, Ekkehard Wagner, Gottfried Gerber und Andreas Werner in den neuen Feuerwehrausschuss, der Kamerad Andreas Karpe als Stvtr. Wehrleiter und Kamerad Horst Tuffner als Wehrleiter gewählt.
Vom 12.-14. Juni 1992 konnte die Wehr ihr 50-jähriges Bestehen feiern. An den 3 Tagen wurden 7 durchgeführte Veranstaltungen von ca. 1400 Kameradinnen und Kameraden der Nachbarwehren sowie Bürgern aus Niedercrinitz und Umgebung besuchte.
Am 09.04.1991 wurde der Feuerwehrverein Niedercrinitz e.V. gegründet, in dem fast alle Kameradinnen und Kameraden sowie auch einige Bürger Mitglied sind. Der Feuerwehrverein ist zuständig für das kameradschaftliche Leben innerhalb der Freiwilligen Feuerwehr und war federführend bei der Durchführung der Festlichkeiten anlässlich der Gerätehausweihe vom 01.10.-03.10.1993; der Fahnenweihe vom 09.09.-11.09.1994 und zur Kirmes vom 27.09.-29.09.1996.
Ein besonderer Höhepunkt im Leben unserer Wehr, war die Einweihung unseres Gerätehauses am 01.10.1993 nach ca. 9-monatiger Bauzeit.

Im August 1997 konnte wir unser 55-jähriges Bestehen feiern mit einigen Highlights, wie z.B. einer Schauübung, Fahrradturnier und einem Feuerwehrwettkampf.
Ein neues Fahrzeug wurde uns 2001 bereitgestellt.Ein allradfähiges Tragkraftspritzenfahrzeug mit Wasser und Zusatzausrüstung (TSF-W-Z) der Marke Mercedes-Benz.
Im August 2002 hat uns ein Hochwasser heimgesucht. Unsere Wehr hat mit voller Einsatzbereitschaft versucht, größere Schäden zu vehindern, als der Crinitzbach über die Ufer trat.
Die Kameraden hatten zwischen den Jahren 1997 und 2005 2 Hausbrände zu löschen und mehrere technische Hilfeleistungen zu leisten. Am 30. September 2005 kam es zu einem Hausbrand in der Thälmannstraße, wo viele Kameraden und Nachbarwehren geholfen haben, die Schäden so gering wie möglich zu halten.
Im Jahr 2006 war wieder ein besonderer Augenblick der Freiwilligen Feuerwehr Niedercrinitz. Ein neuer Mannschaftstransportwagen der Marke VW T5 wurde uns bereitgestellt, nachdem unser Patrol nach 14 Jahren seinen wohlverdienten Ruhestand angetreten hat.
In den letzten Jahren hat die Wehr wieder Zuwachs bekommen.
Auch eine zweite Wettkampfgruppe wurde im Sommer 2003 gegründet, welche auch schon einige
Erfolge aufzeigen kann.
Ein besonderer Erfolg der Wettkampfgruppen war 2006 der Pokal des Kreisbrandmeisters, wo die
1. Gruppe den 1. Platz belegt hat und die 2. Gruppe den 3. Platz. Im darauffolgenden Jahr ist es der
ersten Wettkampfgruppe gelungen, den Pokal erfolgreich zu verteidigen.
Zurückblickend auf die vergangenen 68 Jahre kann die Freiwillige Feuerwehr Niedercrinitz insgesamt auf eine gute Arbeit im Brandschutz für ihren Ort verweisen. Sie stellt sich die Aufgabe in diesem Sinne auch weiterhin zu wirken und zum Schutz aller Bürger ihres Ortes und deren Eigentum stets einsatzbereit zu sein.
"Gut Wehr!"
