Der Ort Niedercrinitz
Niedercrinitz gehört mit seinen ca. 530 Einwohnern zu den kleinsten Orten des Landkreis Zwickau. Es liegt im Nordosten des Landschaftsschutzgebiet "Südlich Zwickau", amnordwestlichen Rand des Kirchberger Granitbeckens im Tal des unteres Crinitzbaches.
Nach diesem Bächlein Crinitz, welches im Steinberggebiet bei Obercrinitz seine Quellen hat, wurde der Ort benannt. Der Ort wurde um 1300 gegründet und war mit Sicherheit schon weit früher als eine slawische Ansiedlung bekannt. Davon ausgehend, lässt sich der Name Crinitz von Krivnica, tschech. Krivnice, was Krummbach heißt, ableiten. (Niedercrinitz - am Unterlauf der Crinitz; Obercrinitz - am Oberlauf der Crinitz liegend). Die Schreibweise des Ortsnamen wurde mehrmals geändert. In der ersten urkundlichen Aufzeichnung von 1388 schrieb man Crynitz und 1465 erstmals Nider Criniß. Niedercrinitz ist ein Waldhufendorf mit einer Fläche von ca. 423 Hektar. Wenn auch, bedingt durch die Enge des Tales, die meisten Gehöfe links- und rechtsseitig des Tales auf den Anhöhen erbaut wurden. Diese Bauerngüter und die Kirche, welche unter Denkmalschutz steht, prägen das Ortsbild.
Ihre jetzige Gestalt hat die Kirche seit ihrem Wiederaufbau nach dem 30-jährigen Krieg. Das besondere an unserer Kirche ist die bemalte Kassettendecke. Auf ihr sind
Kirchenliedanfänge dargestellt. Die Kirche wurde zwischen 1978 und 1986 umfassend renoviert. Die Kirchgemeinde Niedercrinitz ist seit ca. 400 Jahren ein Filial von Culitzsch.
Die Schule des Ortes wurde 1980 geschlossen. Unsere Kinder besuchen seitdem, abgesichert über einen Schulbusverkehr, Kirchberger und Hirschfelder Schulen. Im ehemaligen Schulhort ist jetzt ein Kindergarten.
Durch Um- und Ausbauarbeiten in den Jahren ab 1970 ging leider der bis dahin vorherrschende, landschaftstypische Ortscharakter, gekennzeichnet durch Fachwerkbauten, weitestgehend verloren.
Bestimmend für die wirtschaftliche Entwicklung des Ortes war die Landwirtschaft. Neben dieser siedelten sich hier in unmittelbarer Nähe zur Kirchberger Textilindustrie (3km), der Cainsdorfer Hüttenwerke (6km) und des Zwickauer Steinkohlebergbaues (12km) aber auch die sogenannten "Häusler" an. Die heutigen Haupterwerbszweige der Ortsbewohner sind die Landwirtschaft im Haupt- und Nebenerwerb, das Bauwesen, die Metallverarbeitung, sowie Handel- und Dienstleistungen. Bäcker und Fleischer haben eine weitzurückreichende Familientradition und sind bestens über unsere Ortsgrenzen hinaus bekannt. Mit der Wende 1990 kamen zu den bestehenden viele weitere Handwerksbetriebe hinzu.
Niedercrinitz liegt landschaftlich reizvoll, zwischen 310 und 360 m NN, im Tal der Crinitz und den links und rechts sanft ansteigenden Höhenzügen. Der Ort ist ein schönes und interessantes Wanderziel. Der Wechsel von Wald, Wiese, Berg und Tal macht diesen Ort so anziehend schön, ganz gleich, aus welcher Richtung kommend, man den Ort durchwandert.
Entlang des Crinitzbaches aufwärts, am Ortsausgang in Richtung Wolfersgrün, erhebt sich rechterhand, vor der Einmündung des Voigtsbaches, der Quarkstein. Es sind große, wollsackartige Granitblöcke. Diese Felsen sind sagenumwoben und der Ursprung des Namens Quarkstein - er ist mit Zwergstein gleichzusetzen - zeigt die Verbindung zur Sage. Denn nach dieser soll er in grauer Vorzeit ein Schloss getragen und später als Behausung für Zwerge gedient haben, die dort ihr Unwesen trieben.
Geologisch handelt es sich bei diesen Steinen um verwitterten grobkörnigen Biotitgranit mit stark wechselnder Korngröße. Die den Granitstock überlagernde Kontaktkuppe wurde mit dem gesamten Gebirge abgetragen. So entstanden diese natürlichen Felspartien, welche auch am gegenüberliegenden Ufer der Crinitz zutage treten.
Ende der 40er Jahre wurde der Bau einer Talsperre, zur Verbesserung der Trinkwasser-
versorgung in Zwickau, in Angriff genommen. Die Crinitz sollte kurz unterhalb der
Quarksteine angestaut werden.
Doch nach dem Bau einer "Vorsperre" in Wolfersgrün, wurde das Projekt beendet. Uns allen
aber blieb dadurch dieser wunderschöne Talgrund erhalten.
Linkerhand der Wolfersgrüner Strasse liegt der kleine Filzteich mit ca. 13 ha Wasser- fläche. Bis 1914 befand sich an seinem Ostufer ein Torfstich. Der Filzteich wird seit Jahrzehnten als Karpfenteich wirtschaftlich genutzt. An seinen Ufern wächst eine seltene und schützenswerte Moorpflanzenflora.
Ein interessanter Aussichtspunkt befindet sich auf dem neuangelegten Autobahnparkplatz Niedercrinitz. Hier blickt man über den Ort auf den Hohen Forst bis zu den Kammhöhen des Erzgebirges. Ein herrliches Panorama liegt vor dem Betrachter!
Seit 1998 gehört Niedercrinitz zu der Gemeinde Hirschfeld, wobei beide Orte ihre ländlichen Strukturen beibehalten und im Zuge der Gemeindegebietsreform als einheitliches Ganzes hervorgehen.
